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Wie beim Kleiber im letzten Jahr ist auch beim diesjährigen Vogel des Jahres der Name Programm – beim Turmfalken. An hohen Gebäuden, Industrieanlagen, Autobahnbrücken oder vor allem auch an Kirchen findet er Unterschlupf und Brutmöglichkeiten.
Der kleine Mäusejäger ist ein wahrer Kulturfolger, das heißt, dass er gelernt hat, sich der menschlichen Umgebung anzupassen und sie als Lebensraum zu nutzen. Diese Anpassung begann eigentlich schon, als die Menschen vor etwa 10000 Jahren begonnen haben, Ackerbau zu betreiben. Der Turmfalke entdeckte im Lauf der Zeit, dass es in menschlicher Nähe für ihn leichtere Beute gibt als in der wilden Natur. Auf Feldern und Äckern, Weiden und Wiesen findet er reichlich Mäuse, ebenso in der Nähe menschlicher Vorratslager.
Als die Menschen dann immer höhere Häuser bauten, gab es auch noch Brutplätze für die kleinen Falken. Vor allem Kirchen haben es den Turmfalken bis heute angetan. Hier finden sie meistens eine Nische zum Brüten oder bekommen oft sogar einen Nistkasten angeboten. Der Turmfalke ist der häufigste Greifvogel Bayerns. Eigentlich gibt es auch nur zwei wirklich häufige Greifvögel bei uns, den Turmfalken und den Mäusebussard. Ihr könnt das ja einfach einmal testen, wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid. Schaut aus dem Fenster und ihr werdet etliche Mäusebussarde und Turmfalken sehen. Sie warten oft auf Büschen, Verkehrsschildern oder Pflöcken in der Wiese darauf, dass ein kleines Tier überfahren wird und damit für sie leichte Beute ist. Leider sind sie dadurch selbst oft die Opfer unserer Autos.
Turmfalken sind etwa so groß wie Tauben. Ihre Unterseite ist hell mit dunklen Flecken. Weibchen sind an Kopf, Oberseite und Schwanz braun und stark gefleckt, während die Männchen eine blaugraue Kopffärbung und einen rötlichbraunen Rücken mit kleinen schwarzen Flecken besitzen. Außerhalb menschlicher Siedlungen brüten die flinken Jäger meist in alten Nestern von Elstern oder Krähen. Aber auch Horste anderer Greifvögel und Nischen in Felswänden können zum Brutplatz werden.
Mäuse sind die Lieblingsspeise des Turmfalken, er frisst aber auch große Insekten und manchmal kleine Vögel. Häufig sieht man ihn, wenn er über einer Wiese in der Luft „steht“ und dabei mit den Flügeln rüttelt. Dies ist seine bevorzugte Technik, um Mäuse zu erbeuten.
In unseren Städten haben die Turmfalken oft Dohlen als Nachbarn. Diese brüten ursprünglich in großen Baumhöhlen oder in Felsen.
Diese beiden und noch viele andere Kulturfolger bekommen aber zunehmend Probleme!
Wo früher Löcher in steinernen Wänden waren, sind heute dicht verschlossene Betonbauten. Vögel und Fledermäuse haben keine Chance mehr. Man kann ihnen aber helfen, indem man ihnen neue Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten bietet. Spezielle Dachziegeln, Nistkästen oder sogar Mauersteine, die direkt beim Hausbau in die Wand mit eingesetzt werden, gibt es von vielen Firmen. Ohne solche künstlichen Hilfen werden diese Arten bald nicht mehr in unserer Nähe leben können.
Aus diesem Grund wurde der Turmfalke zum Vogel des Jahres 2007 gewählt, als Vertreter der Kulturfolger in unserer Umgebung und um uns daran zu erinnern, dass wir nicht vergessen dürfen, auch in der Stadt an die Natur zu denken.
Autor: Richard Brode