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Naturschutz fängt im Kleinen an

Dass Artenvielfalt nicht immer riesige Flächen braucht, zeigt sich an dem Biotop der NAJU-Ettal. Zwar sind große Naturschutzgebiete und Nationalparks entscheidend wichtig für die Bewahrung der Artenvielfalt, doch Natur- und Artenschutz fängt bereits im Kleinen an.

Biotop der NAJU-Gruppe Ettal

Dieses Biotop wurde im Jahr 1990 von Schülern des Benediktinergymnasiums Ettal eingerichtet. Die 5800 Quadratmeter große Fläche bekam die Umweltgruppe damals vom Abt des Klosters Ettal zur Verfügung gestellt. Zuvor wurde das Grundstück als Viehweide genutzt. Ein Teich wurde angelegt und teils verstopfte Bäche geöffnet.

 

Heute ist es zu zwei Dritteln ein Feuchtgebiet, ein weiteres Drittel ist Trockenrasen. Dadurch gibt es eine sehr große Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Mitglieder der NAJU-Ettal haben die Möglichkeit, auf dieser Fläche zu beobachten, wie sich in wenigen Jahren die Natur ihren Platz zurückerobert.

Trollblume und Pfeifengras

In dem Biotop konnten bislang über 140 Blütenpflanzenarten dokumentiert werden. Dazu zählen Arten wie der Gelbe Enzian, welcher sehr selten geworden ist, und der Stengellose Enzian, Fransen-Enzian, Schwalbenwurz-Enzian, Deutscher Enzian, Sumpf-Herzblatt, Sumpf-Stendelwurz, das Fleischfressende Fettkraut, mehrere Knabenkräuter und andere Orchideen, Trollblume, Wundklee, Kreuzblume, Akelei und Silberdistel, um nur wenige zu nennen. Dominierend ist das Pfeifengras, welches in Deutschland als gefährdet gilt.

Vielseitige Tierwelt

Durch die reich strukturierte Landschaft mit Bäumen, Hecken und offenen Flächen bieten sich viele Lebensräume. Beispielsweise lassen sich Hasen regelmäßig blicken; sie profitieren von den vielfältigen Kräutern, die auf den artenarmen Wiesen der konventionellen Landwirtschaft fehlen. Zudem finden viele Vögel auf der Fläche zahlreiche Nahrungs- und Nistmöglichkeiten. Insekten bietet das Biotop ebenso ein wahres Paradies. Mit einer Insekten-Trockenmauer konnte im Jahr 2005 ein Beobachtungsort für diese Tierklasse geschaffen werden. Dort kann man viele Schmetterlingsarten, solitär lebende Wespen, Käfer, Spinnen und vieles mehr sehen.

 

Die mehreren kleinen Bäche, die das Biotop durchfließen, und der Teich bieten auch für Wassertiere einen idealen Lebensraum. Zu den Wasserbewohnern im Biotop der NAJU-Ettal zählen zum Beispiel mehrere Libellenarten wie die Blaugrüne Mosaikjungfer, Frühe Adonislibelle, Hufeisen-Azurjungfer und Blutrote Heidelibelle, außerdem Gelbrandkäfer, Köcherfliegen, Bergmolche, Gelbbauchunken und Grasfrösche.

Biotop-Pflege

Einmal im Jahr werden drei Viertel der Fläche gemäht. Das restliche Viertel bleibt vollkommen der Natur überlassen. Der Großteil wird gemäht, um die Artenvielfalt an Pflanzen auf Dauer zu erhalten. Ohne das Mähen würde das Biotop verbuschen und es würden sich nur bestimmte Pflanzen durchsetzen, welche viele seltene Arten verdrängen. Hier zeigt sich, dass menschliches Tun nicht immer schädlich für die Biodiversität ist, sondern diese durch schonende Nutzung der Natur sogar gefördert werden kann.

 

Die alljährliche Wiesmahd wird in Zusammenarbeit mit der LBV-Geschäftsstelle Garmisch-Partenkirchen durchgeführt. Der LBV unterstützt die NAJU-Ettal auch bei anderen Aktionen im Biotop wie beispielsweise bei der Teichpflege, Sträucher-Pflanzaktion, usw. Ein Beispiel für eine hervorragende Kooperation von NAJU und LBV.

Einladung

An dieser Stelle übrigens auch eine herzliche Einladung, das Biotop und den am Biotop vorbeiführenden Waldlehrpfad, der ebenfalls von der NAJU-Ettal errichtet wurde, zu besuchen!

 

In Ettal (in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen), einem kleinen Klosterdorf, müsst ihr euch hinter der Klostermauer, wo sich die „Schaukäserei“ befindet, in Richtung „Ettaler-Mandl“ und „Laber“ halten. Wer sich rechtzeitig anmeldet, kann gerne auch eine Führung bekommen.

 

Bei Fragen, schreibt einfach eine e-Mail an info@naju-ettal.de. Weitere Infos unter www.naju-ettal.de und www.umweltgruppe.com.

 

Autor: Benjamin Schwarz