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„Bissige Schildkröte attackiert Bub an Badesee“, „Kampf der Herkulesstaude“, „Die grüne Invasion“ …
Das sind nur einige der Zeitungs-Schlagzeilen. Das Thema bewegt also nicht nur uns Naturschützer und versucht man sich ihm anzunähern, muss man erst mal überlegen, was überhaupt gemeint ist. Einheimische Arten kommen bei uns von Natur aus ohne Einfluss des Menschen vor. Sie haben sich während der Evolution hier gebildet oder sind ohne menschlichen Einfluss hierher gekommen. Das liegt im Wesen von Arten. Sie erweitern ihre Areale z.B. infolge von Klimaveränderungen. Nach der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren haben sehr viele Arten den Weg zu uns gefunden. Einige wenige, wie zum Beispiel die Silberwurz, konnten in den eisfreien Bereichen überleben. Sie sind so genannte Eiszeitrelikte. Auch z.B. Fisch- und Baumarten mussten die nacheiszeitliche Landschaft erst wiederbesiedeln.
Seitdem wurden auch viele gebietsfremde Arten direkt oder indirekt vom Menschen zu uns gebracht. Manchmal passierte das absichtlich, z.B. durch Anbau von Nahrungspflanzen oder die Haltung von Tieren oder für die Jagd. Manchmal unbewusst, wenn Samen an mitgeführten Tieren oder der Kleidung klebten. Wichtigster Betrachtungsaspekt ist das Verhalten der Arten selbst. Können sich Arten, die eingeschleppt wurden, dann auch wirklich etablieren? Nur die Etablierten werden weiterhin überleben.
In der Vergangenheit gab es in Europa damit fast keine Probleme, haben sich doch Karpfen und Fasan gut in unser Ökosystem eingepasst. Doch die Einführung von „invasiven gebietsfremden Arten“, d.h. „Arten, die einen negativen Einfluss auf die heimische Artenvielfalt haben“, wird zunehmend bedenklich. Spätestens seit dem Zeitalter von Flugzeug und Welthandel vermischt sich die Fauna und Flora entfernt liegender Gebiete. Das fördert doch die Artenvielfalt, die wir immer wollen. Ja, wenn nun mal nicht manche Arten „negative“ Auswirkungen auf die Natur in ihrem neuen Siedlungsgebiet hätten. Man nennt sie invasive gebietsfremde Arten.
Die beiden Inseln Neuseelands haben sich schon sehr frühzeitig selbständig entwickelt. Damals gab es dort außer zwei Fledermausarten keine Säugetiere. Das führte zu einer Vielfalt an bodenbrütenden und bodenlebenden flugunfähigen Vögeln. Viele Vogelarten haben sich in den damals großen Waldgebieten von dem so genannten Honigtau, ein Produkt eines Pilzes, ernährt. Nach der ersten polynesischen Besiedlungswelle fehlten schon ein paar Vogelarten, die durch Jagd ausgerottet wurden. Dann brachten die europäischen Siedler auch noch Tiere aus ihrer Heimat mit. Mauswiesel fraßen die Vogeleier, Opossums Vogeleier oder Blätter und die eingeschleppten Wespen den Honigtau. Es gab damals so genannte „Akklimatisationsgesellschaften“, Gruppen von Menschen, die sich einen Sport daraus machten, möglichst viele Arten einzuschleppen – zur Jagd, zum Angeln oder weil sie sich mit dem heimischen Buchfinkengesang wohler fühlten.
Heute ist das anders. Schon an der Passkontrolle spürt man die Angst vor weiteren Einschleppungen. Man will die schon eingeschleppten Arten auch wieder loswerden. Als erstes hat man die gebietsfremden Arten auf einigen kleineren Inseln ausgerottet, jetzt versucht man auf dem Festland auch freie Zonen zu schaffen – mit Zuckerfallen für die Wespen, Giftköder, Gewehr oder auch per Auto.
Etwa 15 Tier- und 30 Pflanzenarten mit invasivem Charakter konnten sich in Deutschland bereits behaupten und breiten sich nun auf Kosten der heimischen Natur aus.
Der Riesenbärenklau stammt aus dem Kaukasus. Er wächst dort an Waldrändern und an Bächen. Massenbestände scheint es dort nicht zu geben. Die Angaben zur Einführungszeit variieren zwischen 1828 und 1893. Der weiten Verbreitung als Gartenpflanze folgte die Verwilderung. Durch direkte Ausbringung in die freie Natur, z.B. durch Imker, wurde die Ausbreitung erheblich gefördert. In flächigen Beständen wird ein großer Teil des einfallenden Lichts absorbiert, so dass die Pflanzen der Krautschicht stark zurückgehen. Häufige Arten sind zwar auch häufiger betroffen, aber wo der Riesenbärenklau auf seltene Pflanzen trifft, sind diese chancenlos.
Die zur Abwehr von pflanzenfressenden Insekten produzierten Abwehrstoffe (Furanocumarine) der Pflanze sind auch für Menschen gefährlich und können zu Brandwunden führen.
Auch wir in Garmisch-Partenkirchen versuchen die Ausbreitung des Riesenbärenklaues zu verhindern. Das Mähen und Ausgraben ist umständlich, weil man aufpassen muss, dass man sich nicht verbrennt. Außerdem muss es jahrelang wiederholt werden, bis ein Erfolg eintritt. Wir greifen allerdings nur dort ein, wo Pflanzen durch die Bäche auch in Naturschutzgebiete verbreitet werden und dort Schaden anrichten können.
Neben der Strategie, die man als Verband für Arten- und Biotopschutz entwickelt, kommt es auch darauf an, wie jeder Einzelne von uns mit dem Thema umgeht.
Ein paar Gedanken zum Nachdenken:
Autor: Michael Schödl