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Juli 2006 – fast 40°C im Schatten! Vor 20 Jahren noch waren solche Temperaturen in der Nähe von München unvorstellbar. Zu derartig abnormen Wetterlagen hat vor allem der Mensch beigetragen. Der Klimawechsel, der sich auf vielfältige Weise immer mehr bemerkbar macht, zeigt inzwischen deutliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.
Die Folgen des Klimawechsels lassen sich in verschiedene Gruppen zusammenfassen. Einerseits beobachten wir direkte Auswirkungen auf körperliche Vorgänge und das Überleben von Tieren und Pflanzen. Ein Beispiel bietet der heiße Sommer von 2003, der zu massiven Ausfällen (etwa 30 %) des pflanzlichen Ertrags geführt hat.
Ähnlich wird auch das Sterben von Korallen auf eine Temperaturerhöhung im Meer zurückgeführt, die die Tiere überfordert. Zwischen 1951 und 1993 hat sich beispielsweise das Wasser im Golf von Kalifornien um 1,2 - 1,6°C erwärmt, wodurch das Zooplankton um etwa 70 % zurückgegangen ist.
Die Mehrzahl der beobachteten Folgen des Klimawechsels sind jedoch indirekt. Dazu gehören Veränderungen natürlicher Zeitabläufe. In manchen Gebieten beginnt der Frühling jetzt fast 2 Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten, und diese Entwicklung beschleunigt sich. Für Tiere und Pflanzen ist es jedoch entscheidend, zur rechten Zeit zu wachsen, zu wandern, zu blühen und sich zu vermehren. Viele Vogelarten versuchen, „mit der Zeit“ zu gehen und sich umzustellen. Zugvögel kehren früher ins Brutgebiet zurück – man spricht von durchschnittlich gut 3 Tagen pro Jahrzehnt – und beginnen häufig auch früher zu brüten. Es ist jedoch fraglich, ob die Vögel mit den Entwicklungen Schritt halten können.
Viele Arten, z.B. der Trauerschnäpper, können ihr Zugverhalten nicht schnell genug auf den früheren Frühlingsbeginn abstimmen und haben verringerten Bruterfolg. Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Lebewesen unterschiedlich mit den Veränderungen umgehen: während z.B. Insekten sich bei wärmeren Temperaturen schneller entwickeln, können Vögel ihre Jungen nicht schneller ausbrüten. So geraten Nahrungsketten, die genau aufeinander abgestimmt waren, zunehmend aus den Fugen.
Eine weitere Auswirkung des Klimawechsels ist die Verschiebung von Temperaturzonen und damit der Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Wenn es wärmer wird, finden sich die bisherigen Temperaturen zunehmend weiter Polwerts oder in höheren Gebirgslagen. Als Daumenregel gilt, dass eine Temperaturerhöhung um 3°C eine Verschiebung des Lebensraumes um 300 – 400 km Polwerts oder 500 Meter bergauf bedeutet. Tiere und Pflanzen versuchen, ihren Lebensräumen zu folgen. In Europa verschieben sich die Lebensräume von Schmetterlingen und einigen Vogelarten seit etwa 20 Jahren um durchschnittlich 20 km nach Norden. Bei bergbewohnenden Arten ergeben sich ähnliche Verschiebungen in höhere Lagen.
Eine Schmetterlingsstudie in der spanischen Sierra de Guadarrama ergab, dass die 16 untersuchten Arten in den letzten 35 Jahren durchschnittlich 212 m bergauf gewandert sind. Während dieses Zeitraums stiegen die Temperaturen um 1,3°C an, und damit befand sich die optimale Temperatur für Schmetterlinge 225 m weiter oben in den Bergen. Durch den “Umzug“ nach oben verloren die Tiere ein Drittel ihres Lebensraumes. Tiere und Pflanzen können ihren Lebensräumen nicht unbegrenzt folgen, und so werden zukünftig vermutlich viele Arten verdrängt werden. Besonders schwer betroffen sind Tierarten in den Polargebieten und hoch oben in den Bergen, die nur begrenzte oder keine Ausweichmöglichkeiten mehr haben.
Zu den besorgniserregenden indirekten Folgen des Klimawechsels gehört auch, dass die erhöhte Temperatur gewissen Krankheitserregern optimale Bedingungen zur Ausbreitung schafft. In den letzten Jahren – vor allem in sehr heißen Sommern – konnte ein drastischer Rückgang von Amphibien beobachtet werden. Besonders betroffen sind die tropischen Harlekinfrösche, von denen in den letzten 20 Jahren 67 % der 110 lateinamerikanischen Arten ausgestorben sind. Man kann ihr Verschwinden fast sicher auf eine Krankheit zurückführen, die sich bei den erhöhten Temperaturen wie eine Epidemie ausbreitet. Weltweit gilt ein Drittel aller Amphibienarten als gefährdet.
Insgesamt müssen wir damit rechnen, dass viele Arten, die nicht mit der Klimaveränderung mithalten können, aussterben könnten. Wenn wir einen Beitrag dazu leisten, dass der Klimawechsel wenigstens langsamer voranschreitet, haben Tiere und Pflanzen vielleicht etwas bessere Chancen, sich den neuen Bedingungen anzupassen.
Autorinnen: Orla Schmidt-Achert, Barbara Helm