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Berlin & München – Artenvielfalt in der Großstadt

„In Großstädten gibt es keine Natur“, „Tiere finden im städtischen Raum keine Lebensgrundlage“ und „Städte sind schlecht für den Umweltschutz“: Diese und ähnliche Vorurteile bekommt man vor allem von „Naturschützern“ immer wieder zu hören. Wahrscheinlich sind auch viele von euch dieser Meinung. Schließlich weiß man ja, dass Städte grau, schmutzig, laut und voller Beton sind. Doch halt, so stimmt das nicht ganz: Schon unsere Bundeshauptstadt Berlin ist der beste Gegenbeweis.

Berlin zählt zu den artenreichsten Gebieten Deutschlands, was vor allem daran liegt, dass die zahlreichen Grünanlagen und Parkflächen nicht gedüngt werden. Auf einer Fläche von rund 892 km2 (damit ist Berlin flächenmäßig so groß wie Tokyo) wird ein Drittel landwirtschaftlich genutzt oder besteht aus Grün- oder Waldflächen. Dazu kommen noch die vielen Kanäle, die Spree und zahlreiche Seen. – Hier fühlen sich Tiere und Pflanzen wohl!

Der „Tag der Artenvielfalt“ eine Aktion des GEO-Magazins, bei dem seit 1999 jährlich in einer anderen deutschen Stadt die Artenvielfalt untersucht wird, fand 2001 in Berlin statt. Es wurden im Tiergarten, einem der Parks Berlins, trotz schlechten Wetters über 1000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten gezählt. Darunter war auch eine sehr seltene alte Heilpflanze, genannt „Herzsprung“.

Wo sich Fuchs und Biber „Gute Nacht“ sagen

Auch Wildtiere sind dem Menschen als so genannte „Kulturfolger“ in die Städte gefolgt, allen voran der Fuchs. In München trifft man ihn auch schon mal bei Tag in den Außenbezirken. Im Sommer gibt es schätzungsweise auf rund 7 km2 Fläche 150 Füchse, das ist mehr, als in den meisten Waldgebieten Bayerns. Aber in München leben nicht nur Füchse, auch Biber fühlen sich entlang der Isar heimisch. Weil die Biberlebensräume in den Isarauen nördlich der Stadt schon alle bewohnt sind, siedeln sich Biber jetzt auch in der Innenstadt an.

In Berlin gibt es ebenfalls Biber, außerdem rund 8000 Wildschweine, ungefähr 1000 Füchse und Marder und unzählige Waschbären. Die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung sind dafür ausgebildet, Waschbären aus Mülltonnen zu entfernen, bevor diese geleert werden. Viele Waschbären kommen zwar in die Tonnen, aber später nicht mehr heraus, weil sie nicht bis zur Öffnung reichen oder im Müll stecken bleiben.

Berlin hat wegen der vielen Wildtiere einen eigenen Wildtierbeauftragten. Dieser ist Ansprechpartner für Anwohner, die ein Wildtier im Garten haben und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Er kümmert sich auch um angefahrene oder mutterlose Tiere, wie z.B. Igel.

Batman in Berlin

Durch die zahlreichen Altbauten fühlen sich Fledermäuse in Berlin sehr wohl. In der Zitadelle Spandau haben sich sämtliche in Europa beheimateten Fledermäuse und Flughunde angesiedelt. Sie brauchen keine Angst zu haben, von dort vertrieben zu werden, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht und deshalb weder abgerissen noch umgebaut werden darf.

Die Tage der Artenvielfalt haben ergeben, dass sich einige Tiere erstaunlich schnell und gut an den Lebensraum Großstadt angepasst haben. Die Städte haben sogar in manchen Fällen geholfen, bedrohte Tierarten zu erhalten, da sie sichere Nahrungsquellen bieten.

Dies zeigt, dass Städte Lebensräume für Tiere bieten können und Naturschutz in der Stadt unser aller Anliegen sein sollte. Berücksichtigt man dies, so kann man getrost das Leben in der Großstadt genießen, zusammen mit den dortigen Naherholungsmöglichkeiten in der Natur, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Autor: Marion Meßmer