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Ökonomischer & ästhetisch-emotionaler Wert der biologischen Vielfalt: Immer wieder wird versucht, den ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt zu ermitteln. In einigen Teilaspekten ist dies ansatzweise möglich, beispielsweise lässt sich der Marktwert bestimmter Pflanzen, die z.B. für die Medizin oder die Ernährung wichtig sind, bestimmen. Die Bewertung kompletter Ökosysteme führt jedoch zu Schwierigkeiten. Viele der Funktionen, die der Biodiversität zukommen, lassen sich kaum oder gar nicht nach ökonomischen Maßstäben erfassen – so zum Beispiel auch der ästhetische oder emotionale Wert einer Landschaft mit einer bestimmten Biodiversität. Gerhard Overbeck
Eine Filmsequenz: Eine junge Frau hüpft mit einer Trommel um einen Baum. Eine andere Person entdeckt sie und fragt, was sie da mache. Die Frau antwortet verlegen, dass sie versuche, in diesen frühen Morgenstunden Kontakt zu diesem Baum aufzunehmen, denn die Bäume seien ihre Freunde. Für viele ist diese junge Frau ein Musterbeispiel für die neue öko-esoterische Welle. Aber steckt nicht wirklich „etwas“ dahinter?
Begeben wir uns auf die Spuren unserer Ahnen. In der Bibel lässt Gott „aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, […] in der Mitte des Gartens aber einen Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis.“ (Gen 2,9). Die nordische Mythologie erzählt von der Esche Yggdrasil, dem allumfassenden Weltenbaum, den Susanne Fischer-Rizzi in ihrem Buch „Blätter von Bäumen“ als: „eine lebende Säule, die verschiedene Welten durchdringt und verbindet“ umschreibt.
Vor allem in mittel- und nordeuropäischen Gebieten, die erst in relativ junger Zeit gerodet und besiedelt wurden, spielen Bäume und Wälder eine wichtige Rolle. Es gab heilige Wälder, Bäume, die als Versammlungs- und Gerichtsplatz dienten und noch in jüngerer Zeit bildeten sie den Mittelpunkt von Siedlungen, wie die berühmte Dorflinde.
Sind Bäume und Wald nur noch zweckmäßig? Nein! Man betrachte die immer wieder aufflammende Diskussion um den Nationalpark Bayerischer Wald: Entzürnen sich die Anwohner wirklich nur wegen angeblich gefährdeter Übernachtungszahlen an den vom Borkenkäfer geschädigten Bäumen? Ist es möglicherweise eher das ungewohnte und vielleicht auch unheimlich anmutende Bild von toten, silbergrauen Bäumen und nicht mehr das vom schützenden, wogenden grünen Wald?
Zudem beinhalten die Bäume nachgewiesene Heilmittel. Es gibt kaum einen Erkältungstee, der nicht Holunderblüten enthält. Oder das ätherische Öl aus Fichtennadeln, das als Badezusatz die Muskeln lockert und als Massageöl bei Prellungen den Schmerz lindert. Man könnte noch hunderte weiterer Möglichkeiten aufzählen, denn eigentlich ist kein Baum ohne Wirkung.
Schon immer versuchte der Mensch seine Zeit zu messen und einzuteilen. Was liegt da bei den naturverbundenen Völkern näher, als neben Sonne und Mond die Hauptentwicklungsphasen bestimmter Pflanzen hinzuzuziehen. So entstand vermutlich auch der „Keltische Baumkalender“ oder „Baumkreis“. Jedoch enthält er leider auch fragwürdige Konstellationen, da es keine schriftlichen Überlieferungen gibt.
Trotzdem ist dies ein Ansatzpunkt, an dem auch wir wieder in „Kontakt“ mit unseren großen Weggefährten treten können. Die genaue Beobachtung lässt uns wieder näher an den Rhythmus des natürlichen Lebenslaufs kommen. Es ermöglicht uns in einer technologisierten Welt ein Atemholen. Oder wir verzichten einfach auf unsere Nachtlektüre und lesen in den Bäumen, denn „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ (Khalil Gibran).
Autorin: Barbara Hauzenberger